Flip Flop and Fly

Gia Simetzberger, Jänner 2013

 

Theodora war verzagt. Und Charly ratlos. „Du hättest auf deinen Freund Danny hören sollen“, klagte Theodora, die zierliche Dikkowan-Frau. „Er fand den Schaukelstuhl und den rot-blau-orange-karierten Fano-Faser-Teppich aus dem Second Hand-Laden sofort verdächtig.“ In der Tat, der alte Schaukelstuhl fiel wenige Stunden nach dem Kauf lautlos in Stücke. Doch es kam noch ärger: Der Teppich, an sich ein bewährter Klassiker unter den fliegenden Teppichen, machte sich selbständig. Kaum hatten sie ihn für einen ersten Flugversuch auf der Hargad-Wiese ausgebreitet, ging er hoch und riss seine unerfahrenen Piloten unvermittelt mit nach oben. Statt auf ihrem Fluggerät zu sitzen, wie es der Normalfall ist, hingen sie hilflos daran und klammerten sich an seinen Rändern fest, der Verzweiflung nahe.

John-Don, ihr geduldiger vogelhafter Freund, umflatterte sie beruhigend und stellte gemeinsam mit den beiden Dikkowans Überlegungen an, wie sie sich wieder aus ihrer misslichen Lage befreien könnten. Immerhin, die Sonne schien, es war prächtiges, märchenhaftes Wetter. Fast windstill war es – es war, als ob das ganze Dikkowan-Land staunend den Atem anhielt. Mit einigem Gebrabbel und Gekrabbel gelang es ihnen dank John-Don, der sie unermüdlich beschwichtigte, ihrem eigenwilligen Teppich Falten zu verpassen, auf denen sie bequem Halt fanden.

Sobald Dikkowans in eine ungewöhnliche Situation geraten, fällt ihnen das Herz in die Hose. Wie hätten sie doch, auf Teppichfalten reichlich Halt findend, den Ausblick genießen können. Doch sie bangten nur um ihre Rettung, beklagten ihr Los und beschimpften den wehrlosen Teppich. So sind sie eben, dieses Völkchen.

Endlich nahte Hilfe von oben. Das planetarische Log-Lodi Nummer zwei-elf aus der Flugrettungsflotte ließ einen Rignip herab, um sie zu befreien. Drei Meltzips, diese kleinen intelligenten Beobachterchen, die erst unlängst zur Serienreife entwickelt wurden, hatten schon bei Beginn des Ausnahmezustands außerordentliche Emotionen in der Kahlhügelregion an die Log-Zentrale gemeldet. Bedauerlicherweise sind Rignips zwar unerschrockene Helfer, aber ein wenig umständlich.

Ein wenig verschämt, aber selig daheim angekommen, entdeckten Charly und Theodora  am Mittküchenstein ihres Appartement-Ellipsoids ein unscheinbares Blatt. Es handelte sich um die Gebrauchsanleitung für den Fano-Faser-Teppich, deren Studium hilfreich gewesen wäre. „An einem beliebigen roten Faden zupfen, und sofort begibt sich Ihr magischer Teppich in eine angenehme Flugposition…”, lesen die beiden verdutzt.

Manchmal gibt es unzählige rote Fäden, und trotzdem wissen wir nichts damit anzufangen.