In the land of Oo-Bla-Dee

Gia Simetzberger, September 2012

Sam und Sara entschlossen sich, in einem zweidimensionalen Mini-Universum zu leben.

Sie erreichten eine Körpergröße (sofern man bei Flächenwesen von Körpern sprechen kann) von knapp zwei Zentimetern.

Wer glaubt, ein zweidimensionaler Mikrokosmus sei langweilig, hat sich gehörig getäuscht. Bei den beiden geht gehörig die Post ab. Sie haben für die drolligsten Haustiere zu sorgen, die man sich nur vorstellen kann, und pflegen einen allerliebsten Hausgarten.

Ihre gelegentlichen Besucher aus dem benachbarten Miniversum schauen hin und wieder vorbei, um ihre Felder und Obstgärten zu bestaunen. In ihrem Land gibt es alle vier Jahreszeiten gleichzeitig.  

Sam und Sara erfanden eine Geheimschrift. Ihre Aufzeichnungen schlummern noch in einer Ecke und warten auf den rechten Entdecker.

Sie sind glücklich. Am glücklichsten sind sie, wenn Kinder in ihrem Garten spielen und unhertollen. Sie sind kraftvoll. Sie sind stolz darauf, keine Toons zu sein.

Ihre Erlebnisse werden niemals in Form von Bildgeschichten in Magazinen erscheinen. Ganz im Gegenteil! Sam ist nicht nur Farmer, sondern auch Künstler, und Sara schreibt fast jeden Abend zärtliche Gedichte. 

Es ist sehr merkwürdig, in einem Flächenland zu leben. Alles kann man auf den Kopf stellen, und nichts kommt dabei zu Schaden

Sam und Sara benötigen weder Staat noch Religion. Ihr Kult sind die Klänge.

Mit ihren Multiwellen-Empfängern vernehmen sie die Laute, die aus höheren Dimensionen kommen.

Jeden Abend verbringen sie ein Stündchen damit, liebevolle Gedanken in andere Dimensionen zu senden. Durch diese Gedanken sind sie mit allem verbunden.

Jeden Tag wächst ein kleiner goldener Stern in ihrem Garten. Ein Stern ihrer Ideen.