Einssein

11 2013

 

Du liebe Einfalt!

Von Einssein, Einheit, Einfachheit, Einfalt und so Dingen

Zitate und Überlegungen

Lygia Simetzberger, November 2013

 

Einssein:

Zitat aus einer Amazon-Rezension zu Hermann Hesses „Klein und Wagner“:

Erst am Ende sieht Klein ein, dass er vor seiner Angst vor dem ganzen Loslassen seiner Welt zu fliehen versucht, aber er ersieht noch nicht (anders als später sein Leidensgefährte Siddhartha), dass das Ich das Nichtloslassen der falschen „Welt“ ist, sodass er dem Ich entsagen müsste (um als die reine Seele frei zu werden), und nicht: sich körperlich zu ermorden, wie er es jedoch zunächst noch sieht und tut. Er fährt nachts mit einem Ruderboot auf einen offenen See hinaus und gleitet mit voller Absicht aus dem Kahn in das Wasser hinein und sinkt nach unten. Derweil des Sinkens erlebt er eine grandiose Vision des Seins, wie es in zwei Richtungen zugleich geschieht: ein riesiges Werden und ein eben solches Vergehen aller Geschöpfe in einer einheitlichen Schöpfung, ausgeatmet von Gott als das frisch Entstehende, und wieder eingeatmet von Gott als das verbrauchte Vergehende, aber in vollendeter Harmonie. Sterbend erlebt Klein sein großes Einverstandensein mit alledem.

Anders als in „Klingsors letzter Sommer“ wird neben den bloßen Untergang in Folge einer in allzu viel Sinnlichkeit der Geschöpfe unerkannten Schöpfung hier die wunderbare Einheit des Seins als gut und harmonisch mitbesungen, auch wenn Klein bei dieser Einsicht körperlich stirbt. Dieses Sterbens ungeachtet jubiliert die befreite Seele in ihrer unendlichen Freiheit jenseits des Körperlichen, nachdem das sich an die vergängliche Erde und den vermeintlich eigenen Körper klammernde Ich im See ertrinkt. In schöner Sprache mit manchen wunderbar tiefsinnigen Wendungen schrieb Hesse mit „Klein und Wagner“ eine Novelle, die einen Meilenstein der Literatur der existenziellen Sinnsuche darstellt.

Der Originaltext von Hermann Hesse wird in einer weiteren Rezension zitiert:

Manche finden (aus heutiger Sicht) Hermann Hesse ziemlich kitschig oder halten ihn für eine Art Jugendbuchautor. Doch man sollte seine tatsächliche Größe nicht verkennen, die sich gerade in seinen „kleineren“ Werken zeigt:

Wunderbarer Gedanke: ein Leben ohne Angst! Die Angst überwinden, das war die Seligkeit, das war die Erlösung. Wie hatte er sein Leben lang Angst gelitten, und nun, wo der Tod ihn schon am Halse würgte, fühlte er nichts mehr davon, keine Angst, kein Grauen, nur Lächeln, nur Erlösung, nur Einverstandensein. Er wußte nun plötzlich, was Angst ist, und daß sie nur von dem überwunden werden kann, der sie erkannt hat. Man hatte vor tausend Dingen Angst, vor Schmerzen, vor Richtern, vor dem eigenen Herzen, man hatte Angst vor dem Schlaf, Angst vor dem Erwachen, vor dem Alleinsein, vor der Kälte, vor dem Wahnsinn, vor dem Tode – namentlich vor ihm, vor dem Tode. Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen. In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sichfallenlassen, den Schritt in das Ungewisse hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, wer einmal das große Vertrauen geübt und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen…. Wer gelernt hatte, nicht zu widerstreben, sich fallen zu lassen, der starb leicht, der wurde leicht geboren. Wer widerstrebte, der litt Angst, der starb schwer, der wurde ungern geboren.“

Wenn man sich so ein Zitat zu einem Popsong verarbeitet vorstellt, dann klingt es vielleicht so ähnlich wie ‚No More Fear Of Flying‘ von Gary Brooker – das halten auch einige für Kitsch. Ist es aber nicht.

Einheit:

Einheit auf Wikipedia – OMG – was für eine verwirrende Vielfalt der Interpretation von „Einheit“!! http://de.wikipedia.org/wiki/Einheit

Ich verwende das Wort zumeist im philosophischen Sinn:

http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinheit

Die Alleinheit (gelesen: All-Einheit, altgr. Ἓν καὶ Πᾶν – hen kai pan; Eins und Alles oder auch Einheit des Alles) ist ein philosophischer und theologischer Fachausdruck, der die unteilbare Einheit allen Seins beschreibt, inklusive aller Wesenheiten, Welten und Universen.

Das wikipädische Wort „Alleinheit“ verwendet doch kein Mensch im gewöhnlichen Sprachgebrauch!

Wenn man dieses Verständnis von Einheit meint, wird es wohl kaum von Menschen verstanden werden, die noch unbewusst sind („schlafen“).

Da wird wohl eher „Einheit“ im Sinn eines perfekten Teamspiels verstanden werden,

bzw. wird an einheitliche Regelungen gedacht. Wenn Teamspieler eine Einheit bilden, spricht man aber bekanntlich auch von Eintracht.

Ich sagte unlängst bei einer Unterhaltung:

Keine Einheit ohne Einfachheit.“

Da meinte ich „Einheit“ im Sinn von Einigkeit, Miteinander, Einssein (als zugrundeliegendes seelisches Befinden, das sich nach außen in Form von Einheit manifestiert)

Zunächst also einmal die Begriffe „Einfalt“ und „Einfachheit“ ein wenig durchleuchtet, weil Einfachheit oft als Synonym für Einfalt verwendet wird und vie versa:

Einfalt

Du liebe Einfalt!

= Enfaches Denken – http://de.wikipedia.org/wiki/Einfalt

alllerdings..:

Luther Bibel (1912)

Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

Textbibel (1899)Das Licht des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge richtig ist, so wird dein ganzer Leib hell haben.

ModernizedDas Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.

Einer meiner indischen Yogalehrer kommentierte: Gemeint ist das dritte Auge.

Nun aber auf nach China!

Einfachheit

Das „einfache Mädchen“:

Su Nü – das Einfache Mädchen

Das Buch:
Su Nü, das Einfache Mädchen, erklärt uns heutigen, westlich geprägten Menschen Yin und Yang und die Fünf Elemente und enthüllt dabei Stück für Stück tiefe Weisheit und Einsicht in die Natur und das menschliche Leben. Zwar ist Su Nü eine Gestalt aus der reichen Mythenwelt des alten Chinas, doch ihre Worte haben überraschende Aktualität und zeigen einen gangbaren Weg zu einem Leben des Menschen im Einklang mit dem Kosmos. Der Text enthält Übungen. 


ISBN-Nr.: 978-3-940450-24-1
Re Di Roma-Verlag
9,30 Euro
in jeder Buchhandlung erhältlich oder hier 
…

Synonyme Bedeutung mit Einfältigkeit kann hier also nicht gegeben sein.

Und noch einmal nach China (und retour)

Alles Große ist einfach.

http://www.wegbegleiter.ch/wegbeg/einfgros.htm

Von Laotse halte ich nun einmal um Häuser mehr als von unseren Sprachgelehrten!

Weiter geht’s im Reigen aber auch mit Goethe und Max Planck! Und Konsorten!

Absolut lesenswert!!

So, nun zurück zu meinem Sager und wie ich ihn gemeint habe.

Viel zu kompliziert….

Unser (angeblich) zivilisiertes Leben ist ultrakompliziert geworden.

Ich denke, das brauche ich nicht ausschmücken.

Wenn es mal wirklich so etwas wie die Babylonische Sprachverwirrung gegeben hat, so ist war ja noch „Peanuts“. Heute haben wir die totale Babylonische Verwirrung.

Kluge Menschen verkünden, dass die Probleme, die wir Menschen schufen, auf der Problemebene niemals gelöst werden können, sondern nur auf einer übergeordneten (Meta-)Ebene.

Je höher von Ebene zu Ebene gelangen, desto mehr Überblick gewinnen wir – Komplexes weicht Einfachem. So gelangen wir zu mehr EIN-Sicht und können Probleme leichter lösen.

Wenn wir – die Mensch-HEIT – harmonisch zusammenarbeiten wollen, wenn Experten fachübergreifend kooperieren sollen etc. – dann sollte dies respektvoll und ohne Dünkel geschehen, klar. Und wie? Indem sich alle EIN-fach ausdrücken und nicht jeder seine Wissenschaft über die des anderen stellt.

Des Weiteren meine ich, die Kompliziertheit fliegt uns überall um die Ohren – in Form von Überforderung, Überlastung, Überreizung, Überfüllung…

Der Ausweg ist der Kurswechsel um 180 Grad – nicht „noch mehr, noch besser, noch schneller“ (außer bei sportlichem Training), sondern das Weglassen von Unwesentlichem, Verzicht auf Unnötiges (Entrümpeln – physisch, geistig…), Entspanntsein, Zuhören, Gelassenheit…

Meine Vision einer gesunden künftigen Gesellschaft

ist die einer

  • Rückkehr zu natürlicher Lebensweise (Einfachheit!), allerdings nicht unter Verzicht auf Technik, sondern ganz im Gegenteil unter weiser Nutzung modernster Technologien.
  • Statt Plastik- und Wegwerf“kultur“ respektvolle Verwendung nachhaltig erzeugter Produkte.
  • Höchste Wertschätzung von Menschenwürde, Persönlichkeit und Talenten und bestmögliche Förderung.

Damit gehe ich ganz mit Initiativen wie zB Human Way konform.

Grundlage ist eine neue Spiritualität, die vom alptraumhaften Moder menschengemachter Gesetze/Dogmen und von Modalitäten, die künstlich Ängste und Schuldgefühle erzeugen, gereinigt ist. Sie basiert auf bedingungsloser Liebe, die weder verordnet noch diskutiert werden braucht, sondern von allen als beglückender, förderlicher Weg erkannt und gelebt wird (= spirituelle Einfachheit)!

Rückkehr zu natürlicher Lebensweise bedeutet keineswegs „Hirn ausschalten“. Klar werden wir unseren Intellekt weiterhin als Werkzeug benutzen.

Auch fiele mir nicht ein, Einfachheit im Sinne einer Vereinfachung der Forschung zu propagieren, die bleibt weiterhin ein spannendes Abenteuer, jedenfalls solange unsere BewusstSEINe noch eingeschränkt sind…. Einfachheit ist auch nicht gemeint im Sinne einer Simplifizierung der Landwirtschaft – ein klares JA zur Vielfalt, zur „Biodiversität“! Es lebe die Vielfalt!

ABER: Wenn wir Zusammenhänge begreifen und nicht aneinander vorbeireden wollen, benötigen wir dazu die Einfachheit – Schlichtheit, keine Allüren. – Einfachheit und Klarheit – für gedeihiche Zusammenarbeit.

Um den Sinn dahinter zu begreifen, empfehle ich Selbsterfahrung mit Mitteln wie zB yogischer Meditation. Mit ein bisschen Glück und wenn die Zeit reif ist, gibt auch ein entsprechender Bewusstseinszustand Antworten, ohne dass es der Worte bedarf. Nahtoderfahrungen dürften bei manchen Menschen Ähnliches bewirken, aber auch Drogenerfahrungen, gut vorbereitet bzw. unter kundiger Aufsicht.

EINfach ist’s mit Wörtern, die mit EIN beginnen, wahrlich nicht… Vieles wird zu kompliziert erklärt, das müsste doch auch EINfacher gehen… 😉

Ds dachte sich EINstEIN womöglich auch… und entwickelte seine verblüffend EINfache Formel

e = mc2

Wie dem auch sei – da ist ja immer noch die Angst, seine Individualität zugunsten von Einssein (Verschmelzen mit dem Göttlichen) bzw. zugunsten eines Kollektivs aufzugeben…

Doch die alten Weisheitslehren sprechen lediglich davon, dass unser Ego, das sich oft so wichtig macht, ein guter Diener, aber ein schlechter Herrscher ist. Ein Aufgeben des individuellen Bewusstseins und Rückkehr in göttliches universellen Bewusstsein – eine derartige Vorstellung dürfte auf unser begrenztes Denken zurückzuführen sein.

Das „göttliche“ und „menschliche“ Bewusstsein sind niemals getrennt, sondern eins – nur wir Menschen leben „irrtümlich“ (bzw. um diese Erfahrung zu erleben) in einem getrennten Bewusstseinszustand. Es ist ein Zustand, sonst nichts. Und wenn wir das mal checken, können wir das Spiel der Trennung beenden.

Vermutlich erzähle ich dem Leser, der Leserin damit nichts Neues… Was vor Jahrzehnten noch Geheimwissen war, pfeifen heute die Spatzen von den Dächern, kurzum, es vollzieht sich deutlich erkennbar eine Bewusstseinsentwicklung. Bleibt zu hoffen, dass es auch zur Umsetzung des Wissens gereicht.

Wie ein Freund vor vielen Jahren zu mir sagte:

„Ich finde, mit den Menschen ist es wie mit den Knödeln. Alle sind zuerst am Boden des Kochtopfs, und nach und nach steigen sie alle auf.“

Ein indischer Lehrer erklärte die verschiedenen Bewusstseinszustände des Menschen mit den Aggregatzuständen des Wassers.

Dieser Vergleich veranschaulicht viel – auch warum sich die „noch unbewussten Knödel“ so schwer tun. Na, besser ist schon der Vergleich mit dem Wasser!

Noch besser als solche Vergleiche erklärt sich’s aber anhand der Realität.

Wenn wir unseren Körper verlassen, können wir fliegen, durch Wände gehen… all das ist mit unserem physischen Körper, wenn man Berichten glauben darf, erlernbar, aber dürfte bis dato nur wenigen gelingen….

Jedenfalls, wenn man – ob so, ob anders – diese Erfahrung gemacht hat, wird alles EINFACH. Man kommt darauf dass man bisher viel zu kompliziert gedacht bzw. gelebt hat.

Wenn die Menschheit erwacht, wenn alle Menschen in diesen „erleuchteten“ Bewusstseinszustand wachsen, wird’s einfach – da haben Lügen, Shows, Wortklaubereien, eitle Klügeleien etc gar keinen Platz mehr, Verstellen ist sinn- und zwecklos – wozu denn auch?.