aufruf raiding 2012

Bericht und Aufruf an Kulturschaffende im Burgenland in meinem Verteiler, insbesondere im Südburgenland

Kulturperspektiven

Bericht

von der Veranstaltung in Raiding 19 01 2012 und Aufruf

Eine schmucklose E-mail-Einladung war die Belohnung der Teilnehmenden an einer Umfrage an Kulturmanager und Kulturschaffende des Burgenlandes im Vorjahr.

Bei einem Treffen im – ebenso schmucklosen – Lisztzentrum Raiding wurden die Ergebnisse freundlich, aber nüchtern präsentiert, während draußen nächtlicher Regen einsetzte. Anschließend gab es ein Buffett, an dem vor allem die Fleischesser ihre Freude hatten.

In der Diskussion der Ergebnisse ging es kontrovers zu, jedoch hatte es nicht den Anschein, dass sich die Landes-Kulturmanager die Vorbringen zu Herzen nähmen. Sie nahmen sie zur Kenntnis, gingen aber eher in Schutz- und Verteidigungsposition, ihre bisherigen Meriten aufzählend. Es ist natürlich löblich dass überhaupt eine Befragung stattfand, sodass nicht die Rede davon sein kann, dass die Kulturabteilung autoritär agiert – es gibt sozusagen ein demokratisches Fenster – ganz besonders jetzt.

Es besteht die Vermutung, dass bei der Umfrage, die von der Kulturabteilung an die private Agentur shapeshifters von Herrn Erich Pöttschacher delegiert worden war, durchaus auch harsches Feedback eingelangt war, dass dieses aber bei der Präsentation unter den Tisch fallen gelassen wurde. Man ließ nur anklingen, dass die Beteiligung wider Erwarten hoch (27,5 Prozent der Befragten) und „teilweise sehr emotionell“ war, was die Frage aufwirft, was langte da wirklich ein und wurde nicht berichtet, das möglicherweise die Grundlage für substanziellere Diskussion, Konzeption, Erneuerung geboten hätte. Erstaunt zeigte man sich über die extrem geringe Beteiligung jugendlicher Kulturschaffender (nur eine jugendliche Person füllte den Online-Fragebogen aus) und wunderte sich über das geringe Interesse der Jugend an der kulturellen Entwicklung.

So blieb substantielle Kritik lediglich den Teilnehmenden an der Diskussion vorbehalten. Beispielsweise wurde vorgebracht, dass die Kulturabteilung im täglichen Umgang den Zugang nicht etwa leicht mache, auf der Webseite sei keine Transparenz vorhanden (Ansprechpartner, Porträtfotos, Sprechstunden im Südburgenland u.dgl.). Mehrere bildende Kunstschaffenden stellten fest, dass es im gesamten Land keine permanente Ausstellung gäbe, in der Werkbeispiele anerkannter zeitgenössischer heimischer KünstlerInnen gezeigt würden, was ein Zeichen mangelnden Kunstverständnisses und mangelnder Würdigung verdienter Kulturschaffender sei. Es wurde beklagt, dass die Räume bestehender Kulturzentren anders belegt sind und de facto zwischen Wien und Graz kein einziger repräsentativer Ort der internationalen Begegnung von Kunstschaffenden gegeben ist.

Auch wurde vorgebracht, dass das Kunstleben nicht so verstanden werden kann, dass die burgenländischen bildenden Kunstschaffenden ihre Werke im eigenen Land zirkulieren, sondern dass ihnen Brücken in andere Gebiete im In- und Ausland gebaut werden sollten, dass ein effizientes Informationsservice geboten wird, gute PR für unsere Kunstschaffenden gemacht und internationaler Austausch gepflegt und darüber berichtet wird. Es wurde über die mangelnde Information betreffend bestehende Kooperationen und Netzwerke gesprochen.

Die mangelnde Nachhaltigkeit bzw. Begleitung jugendlicher KünstlerInnen (es kann nicht bei einem Preisverleih für ein junges Talent bleiben, sondern es bedürfte auch einer prompten Beratung bzw. eines Mentoring-Angebotes) wurde als Erklärung dafür herangezogen, weshalb junge Kunstschaffende überhaupt nicht motiviert sind, im Kulturgeschehen mitzumischen, sondern mangels Rückhalt und Anerkennung aufgeben oder das Land verlassen. Zumal nicht alle die Chance einer Förderung im Elternhaus haben und nicht allen der Weg eines Kunststudiums möglich ist. Wiederholt wurde eingewendet, das es häufig gar nicht um finanzielle Förderung geht, sondern dass oft Rat, Tat, Anerkennung, Beistand zur rechten Zeit unendlich viel Positives bewirken können.

Hoffnungsschimmer: Anhand der Ergebnisse und der Auswertung dieser Präsentation wird ein Maßnahmenkatalog erstellt.

Was im Klartext bedeutet:

Noch können Wünsche, Beschwerden, Empfehlungen an die Kulturabteilung gerichtet werden und haben die Chance, vernommen und mit ein wenig Glück auch berücksichtigt zu werden.

Aufruf

Dieser Bericht geht als Rundschreiben an meinen Verteiler, an Kulturschaffende, die bei dieser Veranstaltung nicht anwesend waren, mit dem Aufruf:

Bitte nutzt diese Gelegenheit.

Schreibt Empfehlungen, Wünsche, Forderungen, schreibt eure Vorstellungen an die Kulturabteilung, an den Leiter, Herrn WHR Dr. Josef Tiefenbach josef.tiefenbach@bgld.gv.at oder an Frau Dr. Pia Bayer pia.bayer@bgld.gv.at. Es gibt keine/n konkrete/n AnsprechpartnerIn für direkte Kommunikation mit den Kunstschaffenden, auch keine Person, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Klare Zuständigkeiten sind NOCH NICHT auf der Webseite, aber ihr findet sie in den KULTURBERICHTEN versteckt, die als PDF-Files online sind!

Schreibt sie auch ans SüdostKULTURnetz (siehe Signatur), wenn ihr Öffentlichkeit möchtet, oder wendet euch an die regionalen Medien.

Am kommenden Dienstag findet das nächste Meeting in der Kulturabteilung statt.

Ist euch bewusst, dass wir im Burgenland keine Interessenvertretung für die burgenländischen Kunstschaffenden haben – keinen offiziellen Sprecher bzw. keine offizielle Sprecherin? Eine Person mit Weitblick, breit gefächertem Fachwissen, Allgemeinbildung, Insiderwissen, journalistischen Kenntnissen, Engagement und Einfühlungsvermögen – und mit einer Seele, die alles verbindet. Als Kollektiv sind wir nur handlungsfähig, wenn wir ein entsprechendes Organ bestellen. Sei es im Auftrag des Landes, sei es auf Vereinsbasis, Tatsache, ein wirkliches Service fehlt, und ganz besonders fehlt es den bildenden Kunstschaffenden.

Wisst ihr, dass es zwar ein sogenanntes Kulturservice des Burgenlandes gibt mit Herrn Dr. Wolfgang Kuzmits wolfgang.kuzmits@kobersdorf.at an der Spitze, dass dieses Kulturservice Burgenland sich aber als für Einzelgespräche mit Kunstschaffenden NICHT zuständig erklärt?

Ja, das sogenannte Kultur-Service Burgenland ist ein „Museums-, Event- und Servicemanagement“ und betreut uns Kunstschaffende überhaupt nicht und vertritt schon gar nicht unsere Interessen!

Wisst ihr, dass wir anders als andere Bundesländer also nicht WIRKLICH ein Kulturservice haben (abgesehen vom SüdostKULTURnetz, das eine ehrenamtliche Privatinitiative ist)?

Anders z.B. in der Steiermark Kultur Service GmbH, A-8010 Graz, Glacisstraße 69, Telefon: (0316) 877 / 2446, office@kulturservice.steiermark.at, http://www.kulturservice.steiermark.at mit fortbildenden Veranstaltungen und Beratungen der Kunstschaffenden – und vielem mehr.

Wenn ihr der Meinung seid, dass sich da was ändern soll und wir uns zumindest am steirischen Kulturleben orientieren sollten, werdet bitte aktiv.

Ich bitte euch, macht von euren demokratischen Rechten und eurer Kreativität Gebrauch, unterbreitet Anregungen, Vorschläge.

Vernetzt euch, trefft euch, diskutiert, bildet Gruppen, und wenn ihr wollt, gebt diese Information weiter.

Mit kollegialen Grüßen

Gia (Lygia Simetzberger)

Einladung- E-mail vom 10.1.2012:


Liebe KünstlerInnen, VeranstalterInnen, PartnerInnen, FreundInnen!


Seit der letzten Kulturperspektivendiskussion sind bereits 10 Jahre vergangen. Wir haben dies von Seiten der Kulturpolitik zum Anlass genommen, das „Kulturland Burgenland“ wieder unter breiter Einbindung der Beteiligten unter die Lupe zu nehmen, um einerseits die Entwicklung der letzten Jahre zu evaluieren und andererseits Ziele für die Zukunft zu definieren.

Mit Begleitung von Erich Pöttschacher mit seiner Agentur shapeshifters wurde diese Perspektivendiskussion bereits im Herbst in Angriff genommen. Eine Online-Befragung sowie Experteninterviews wurden bereits durchgeführt.

Ich darf Sie daher zu einer Präsentation der Ergebnisse mit anschließender Diskussion am 19. Jänner 2012 um 19.00 Uhr im Lisztzentrum Raiding sehr herzlich einladen.

Gleichzeitig ersuche ich Sie, Ihre Teilnahme bis 16.1.2012 unter folgender Adresse bekanntzugeben: office@shapeshifters.net

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Bieler

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