Bericht Vernissage Sopron 2011

Bericht von der Vernissage in SOPRON am 14.9.2011 (gs):

Im geradezu idealen Ausstellungsraum, der zum ehrwürdigen Institut für Angewandte Kunst der West-Universität Ungarn am Déak Ter gehört, fanden sich Gia, Peter und Edi Simetzberger als Repräsentanten der „österreichischen Freunde“ mit ihren ungarischen Freunden Gabi Cseh und József Papp ein, um ganz unterschiedliche Exponate zu präsentieren. József Papp ist durch ca. 70 Ausstellungen als Keramiker international bekannt. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Blumenuhr in der Stadt Baja, der demnächst eine andere Blumenuhr aus Keramik auf einem weiteren Platz folgen wird.

Gabi Cseh zeigte feinfühlige Email-Arbeiten, einige davon in Steinplatten eingelegt. Vorgestellt wurde auch eine Arbeit einer Schülergruppe, mit der Gabi im Interaktiven Atelier in der Szinhas utca gearbeitet  hat.

Gia Simetzberger, Allround-Künstlerin, war mit kleinformatigen fröhlich-bunten Computergrafiken vertreten. Von ihr stammt aber auch die Fotoserie, die frühe Bronze-Werke des jüngsten Ausstellers, Pete Simetzberger, 17, in neues Licht rückt: Aus dreidimensionalen metallischen Winzlingen wurden relativ große Ansichten auf Fotopapier mit entsprechender Wirkung. Aus Petes Hand stammen auch zwei Computer-Collagen in Posterformat, basierend auf einem kleinen Acrylbild, das Pete am PC verfremdete bzw. in zwei Variationen neu arrangierte.

Der ältere Bruder Edi Simetzberger, 20, burgenländischer Landessieger (Jugendkulturwettbewerb 2006), zeigte typische Arbeiten seiner ersten künstlerischen Zeit – Licht-Fotografien („Light Graffiti“) und Schwarzweiß-Grafiken seiner „Circles-Serie“. Sozusagen zur „erweiterten Familie Simetzberger“ zählt Rosmarie Primes, Freundin von Edi Simetzberger, 18, und war spontan bereit, Grafiken und ein Acrylbild – das einzige handgemalte Bild der ganzen Ausstellung! – zur Ausstellung zu bringen.

Leider konnte Pete persönlich wegen seiner Ausbildung nicht anwesend sein. Rosmarie verspätete sich infolge einer ungewollten Irrfahrt durch Sopron, erschien mit Mutter, Bruder, Freundin…

Peter Simetzberger, Bauingenieur, hat eine ziemlich ungewöhnliche Künstlerkarriere aufzuweisen: Er hat ein einziges Objekt geschaffen, und dies wird auch möglicherweise das einzige Objekt bleiben. Dieses Edelstahl-Objekt wird in Sopron erstmals öffentlich gezeigt. Gabi Cseh und József Papp war es gelungen, die ganze Familie dazu zu bewegen, gemeinsam auszustellen. Auch dies ist vermutlich einzigartig.

Die Ausstellung wurde vom Direktor des Institutes für Angewandte Kunst, Herrn György Mészáros, eröffnet. Er setzte sich mit den unterscheidlichen Kunstbegriffen der „westlichen“ Länder und Ungarns auseinander, sah darin auch Inspirierendes und prognostizierte durch die EU-bedingte Öffnung eine spürbare zunehmende Annäherung des Kunstverständnisses. Er zeigte sich äußerst erfreut übe rdiese Gemeinschaftsausstellung einer ungarischen und einer österreichischen Familie, was bisher in Sopron einzigartig ist.

Als Dolmetsch fungierte während der gesamten Veranstaltung Herr Miklós Németh – eine wichtige Aufgabe!

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von einem sehr talentierten jungen Musiker, der seine eigenen Songtexte schreibt und seine Songs selber komponiert: Richárd Varga. Seine Interpretation berührte sogar uns sehr stark, die wir die Landessprache nicht verstehen. Später wurde uns erklärt, dass das erste Stück sich mit dem Inhalt der Ausstellung und den Möglichkeiten der Deutung auseinandersetzte! Inspiriert wurde der junge Mann durch einen Besuch der Interaktiven Galerie des Soproner Künstlerpaares. Interaktivität zeigte sich bald schon im Rahmen der Eröffnung.

Gabi Cseh sprach über Synchronizitäten – in der Sprache in der Bewegung – wie weit es doch Unterschiede gäbe – auch wenn alles auf den ersten Blick synchron erscheinen – wie synchon können, wollen wir sein? Sie wies auch auf das Gemeinschaftswerk einer Kinderguppe hin und befragte das Publikum, welche Emotionen sie damit verbinden. Die Antwort kam indirekt – durch eine Dankesrede einer Pädagogin, die das Projekt gemeinsam mit den Künstlern initiiert hatte. Sie schilderte, wie harmonisch die Arbeit erfolgte und dass sie den Kindern, die aus schwierigen Verhältnissen stammen, bedeutete.

Keramikkünstler József Papp ist nie um Einfälle verlegen, das Publikum einzubeziehen. Er affichierte leere A4-Blätter unter einigen seiner Keramikarbeiten und ließ die Besucher Vorschläge aufschreiben, wie das Kunstwerk zu betiteln sei. Er zeigte sich nachher beeindruckt von der Kreativität seines Publikums. Die zweite Aktion von Herrn Papp bei dieser Ausstellung war die Aufforderung an die Anwesenden – wobei in erster Linie die Kinder angesprochen waren – ihre Kreativität durch Biegen und Formen von bunten Kabeln unter Beweis zu stellen. Und siehe, allerlei Gegenständliches und Abstraktes wurde hervorgebracht und wird künftig Teil der auf Schnüren quer durchs Atelier aufgehängten „Kunstwerke“, die an solche interaktiven Aktionen bei verschiedenen Ausstellungen erinnern. Eine faszinierende Idee!

Ein ungarischer Fernsehsender war präsent, mithilfe von Dolmetsch Miklós Németh war ein Interview mit mir möglich. Wie lebt die Künstlerfamilie Simetzberger die Kunst? Das war die eine Frage. Die andere Frage war, mit kurzen Worten, was ich – in wenigen Worten – mit meiner Kunst ausdrücken will. Nun, keine schweren Fragen, aber vor laufender Kamera redet man komischerweise anders als ohne Kamera…

Entspannter plauderte es sich entschieden am Buffett weiter, das dank der köstlichen Leckerbissen sehr lecker gewesen sein musste. Wie immer bei solchen Anlässen blieb mir das Nachsehen.

Nette Überraschung für uns war der Besuch des „Mörtelmalers“ Hans Wiedeschitz mit Gattin, der den Gedanken äußerte, es könne doch auch einmal eine solche Ausstellung auf österreichischem Territorium stattfinden. Nun, was nicht ist, kann ja noch werden!

Gewiss ist: Es wird eine Forsetzung unserer freundschaftlichen Beziehung geben und hoffentlich viel weiteren künstlerischen Austausch untereinander.

Special thanks to:

Alkamazott Müvészeti Intészet

University of West-Hungary, Institute of Applied Arts

www.ami.nyme.hu