Geheimtreffen in Kukvada

Dori und Kuno Mafrank leben auf dem Land. Genauer gesagt, in Kukvada, einer kleinen Gemeinde im Hügelland. Vor einigen Jahren beschlossen sie, ihre beruflichen Verpflichtungen hinter sich zu lassen. Die Kinder waren aus dem Haus, und noch war Energie für neue Aufgaben da. Das alte Bauernhaus wurde in einen komfortablen Landsitz umgewandelt.

Doch was sollten sie tun, um am regionalen Kulturleben aktiv teilzunehmen und das schöne Anwesen zu nutzen? Sie dachten an einen Schaugarten, an eine Galerie, an ein Seminarhaus, an kleine Konzerte, an Kunstworkshops… Schließlich einigten sie sich auf ein kleines Kulturcafé als Treff für Kunstschaffende und andere Kulturinteressierte.

Fünzehn Kilometer entfernt schnappte ihnen ein findiger Unternehmer diese Idee weg. Da erinnerten sich die beiden daran, dass sie schon als Schulkinder gern Science-Fiction-Geschichten gelesen hatten. Das war’s! Ein Science Fiction-Café, das ist etwas Neues.

Da kommerzielle Interessen nicht relevant waren, sondern das Vergnügen im Vordergrund stand, wurde der Plan verwirklicht.  Die SF- und Fantasy-Bücher, die Jahre in Kartons lagerten, kamen nun wieder zu Ehren. Zwei Räume und ein Nebenraum wurden mit insgesamt zehn Kaffeehaus-Garnituren ausgestattet. Der geräumige Garten bot Platz für eine Erweiterung bei Schönwetter und angenehmen Temperaturen.

Dori war viele Jahre als Journalistin tätig gewesen. Daher war es ihr nun ein Leichtes, „Das Café und die Bibliothek von Kukvada“ bekannt zu machen. Sie schrieb nicht nur einige fröhliche PR-Artikel, sondern bloggte auch mehrsprachig. Kurzum, beiden bereitete es einfach Spass, ihr Spezial-Kaffeehaus zu betreiben.

Zur Einweihung luden sie Freunde und Nachbarn ein. Um nicht überfordert zu sein, nie mehr als vier Personen. Den meisten von ihnen war Science Fiction gar kein Begriff, abgesehen von bekannten Filmen und Serien. Sie lobten jedoch die Gestaltung der Räume, die angenehme Atmosphäre und die angebotenen Getränke und Leckereien.

Drei Monate später aber waren sie da, die ersten Science-Fiction-Freunde, die sich nach Kukvada wagten. Dabei handelte es sich um eine Abordnung von Mitgliedern einer ehrwürdigen Science-Fiction-Gruppe in Wien, darunter einige namhafte Science-Fiction-Autoren und Verleger. Allen gefiel es. Sie sagten weitere Besuche zu. Es wurde fotografiert und eifrig in den Medien über dieses Ereignis berichtet.

So weit zur Vorgeschichte. Es war Frühsommer geworden und keine weiteren Gäste kündigten sich an. Dori  war bekümmert. Jetzt gerade, wo sie draußen im Garten alles  so nett gestaltet hatte und alles so wunderbar grünte und blühte!

Kuno und Dori waren einige Zeit die einzigen Gäste ihres eigenen Privatcafés.  Inspiriert von den Begegnungen und dem Ambiente, begann Dori dem Café allerlei Fantasievolles anzudichten. Da man ja schließlich schreibt, damit es auch gelesen wird, veröffentlichte sie ihre Texte auf ihren Blogs.

Das Café und die Bibliothek, so erklärte sie keck, stünde selbstverständlich auch Durchreisenden zur Verfügung, die auf ihrem Weg durch die uns bekannte Galaxie  einmal den Weltuntergang beobachten möchten. Es sei auch ein komfortables Gästezimmer vorhanden und das Flachdach des geräumigen Carports hinter dem Haus eigne sich hervorragend als Landeplatz für kleinere sogenannte UFOs, wie die ahnungsloen Erdlinge  die mit fortschrittlicher Technologie betriebene Flugscheiben nennen, die vor ihnen geheimgehalten würden….

Ziel sei es, ss schrieb sie und musste dabei selber schmunzeln, einen informellen Ort der Begegnung zwischen irdischen Menschen und Besuchern aus dem All und aus Parallelwelten zu schaffen. Sie stellte Abbildungen von Haus und Garten ins Netz und lieferte eine Wegbeschreibung mit genauen Koordinaten und der Ortszeit bei Verfassen des Textes.

Beflissen platzierte sie sogar Links zu Informationen der offiziellen Weltraumbehörden und zur Weltzeituhr in den Blogs. Die ersten Außerirdischen oder Aliens würden nicht nur auf pannonischem Donnergurgler eingeladen, sondern gleich auf einen mehrtägigen Urlaub. Voraussetzung sei lediglich, dass es sich dabei um Wesen handle, die den intergalaktischen Sittlichkeitskodex anerkennen und befolgen.

Sie witzelte auch ein wenig über die angeblichen energetischen Besonderheiten des Ortes. Wer das Café durch die Hintertüre verlässt, tritt mit einem Transmitter in Berührung, der den Besucher in ein Paralleluniversum verfrachtet. Dabei bestünde die Gefahr, dass der Reisende nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückkehre.

Ja, und das Café im Garten befnde sich in diesem Paralleluniversum. So befände man sich im Indoor-Café am Ende des uns bekannten Universums, aber die weiße Tür sei in Wirklichkeit ein schwarzes Loch, durch das man mmit Hilde des Transmitters in eine Parallelwelt gelngt. Ist doch logisch, dass Ende und Anfang aneinander angrenzen, schrieb sie und amüsierte sich über die Informationen, die einfach ihrer blühenden Fantasie entsprangen.

Kuno meinte trocken: „Wenn das die Nachbarn wüssten, dass sie auf ein Paralleluniversum blicken?“ Als Hobbywinzer überlegte er sich einen Namen für seinen Wein. „Tröpferl vom Paralleluniversum“ oder „Alien-Lieblingstrunk“ oder…? Dori bat ihn, ihr bei der Wortschöpfung für ihre Teesorten und anderen Delikatessen behilflich zu sein. Sie hatte oft davon geträumt, ein Kaffeehaus zu führen und eigene Mehlspeisen und Bonbons zu kreieren. Nun war sie gefordert und hatte ihre Freude daran.

Die Blogstatistik wies steigende Besucherzahlen im Netz auf. Die Resonanz war beachtlich. Fans aus aller welt meldeten sich und bedauerten die Entfernung. Sie würden am liebsten sofort anreisen, doch es werde wohl noch etwas dauern bis zu einer ersten physischen Begegnung. Zwei Autoren schickten Exemplare ihre neuesten Werke und baten um Erwähnung. Ein SF-Verein bat um Informationen über den Bibliothekbestand. Die Getränkekarte wurde am häufigsten kommentiert. Die Mehlspeisen weckten vielfach Interesse. Es wurden sogar die Rezepte nachgefragt.

Und schließlich meldeten sich die ersten Besucher, die durch das Internet auf das Café aufmerksam wurden. In gepflegtem Deutsch meldeten sie sich als Dreiergruppe an, die sich darauf freue, Gleichgesinnten zu begegnen. Zwei seien ein Forscherpaar, das SF-Literatur nach dem Wahrheitsgehalt sondiert, und ein Musiker, der auf der Suche nach neuen Inspirationen sei und daher mitreist.

Zum vereinbarten Zeitdpunkt war alles bereit. Kuno hatte schon eine halbe Stunde vor dem Termin das Einfahrtstor geöffnet. Pünktlich läutete es am Hauseingang. Zwei gutgekleidete Herren mittleren Alters und eine zierliche langhaarige Frau in einem eleganten Kostüm standen freundlich lächelnd mit einem Blumenstrauß und einer Flasche Wein vor der Tür.

Die Gastgeber begrüßten die drei herzlich und baten sie ins Haus. Es war ein ungewöhnlich heißer Frühsommertag. Verdutzt stellte Kuno fest, er habe gar kein Auto kommen hören, sie seien wohl mit einem Elektroauto angereist? Alle drei schüttelten den Kopf. Nein, sagte die Frau, sie seien ohne Auto gekommen. „Wie ungewöhnlich!“ rief Dori aus. „Dann habt ihr wohl im Ortszentrum geparkt und den von mir beschriebenen Waldweg genommen?“ fragte sie, doch keine Antwort. Die Gäste zeigten sich vom Haus entzückt und stellten interessierte Fragen über die Baugeschichte, die der Hausherr stolz beantwortete…

 

Tja, ihr Leute!….

Fortsetzung folgt!

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