Unzuständigkeit?

Gegenstand: Das Museum für Zivilcourage (MUZIKU) http://muzikublog.wordpress.com – Erlebtes

Essay 02 2011

Die Kunst der Unzuständigkeit 

„Die oberste Pflicht eines Beamten ist, wenn möglich seine Unzuständigkeit einzuwenden.“ So lernte ich es einst, als ich nahe daran war, im sicheren Hafen einer Beamtenkarriere zu landen.

Schmunzelnd gedenke ich dieser eindringlichen Belehrung, wenn ich in Kontakt mit Beamten trete, denn dieser Spruch scheint in der Tat das oberste Beamten-Credo zu sein. So vehement wird diese Maxime verteidigt, dass im Kundenkontakt übersehen wird, dass der Kunde gar keine Amtshandlung begehrt, sondern nur schlicht und einfach zweckdienliche Hinweise benötigt.

Dennoch verblüffte mich ein Handy-Anruf eines Wiener Magistratsbeamten, der das Konzept für das „Museum für Zivilcourage“ von mir erhielt.

Wien könne für mich nichts tun, da sich der Vereinssitz im Burgenland befindet. Ich erwiderte: „…zur Zeit“, da ich den Verein MUZIKU in der Gründungsphase auf meinen Wohnsitz anmeldete. Steht der Vorstand und ist der Verein voll funktionsfähig, kann der Vereinssitz in Wien, Timbuktu oder aber auch in Kikeritspatschen sein. Kurzum, für meine Kontaktaufnahme in Wien ist er völlig belanglos, da jederzeit änderbar. „Oh ihr Kleingläubigen…“ wäre wohl das adäquate Bibelzitat. Sei’s drum.

Um korrekt zu sein, erwähne ich, dass ich von diesem Herrn darauf hingewiesen wurde, mich an die burgenländischen Kultureinrichtungen zu wenden und auf Bundesebene vorstellig zu werden. Jaja, gemach, ist auch geplant. Die sind offenbar seiner Meinung nach für mich „zuständiger“.

Da ich noch kein interkulturelles Projekt vorzuweisen habe, könne er mir auch erst weiterhelfen, wenn ein konkretes Projekt bereits vorliegt. Ja, das Übliche… Gegenfrage: „Kennen Sie KünstlerInnen, die Interesse an interkulturellen Projekten dieser Art hätten beziehungsweise dem Konzept entsprechen?“ gab es keine Antwort. „Keine Sorge“, erwiderte ich, „sie werden sich schon finden!“

Fazit: Wo die Unzuständigkeit eingewendet wird, hört die Menschlichkeit auf. Aber es ist noch mehr – es ist ein Zeichen von Unwillen oder Unfähigkeit, dem Gesprweiterhelfen zu wollen. Ich kann es einfach nicht verstehen: Da ist ein Mensch, der für Arbeit auf dem kulturellen Sektor besoldet wird, der sicher ein ganzes Netzwerk von Kulturkontakten im Kopf hat (oder zumindest haben sollte) – und Auskunft null.

Wenn ich das nicht tagtäglich erleben würde. Aber Leutln, seht ihr nicht, dass ist doch eine der Hauptursachen, warum die alte Welt bald in Schutt und Asche liegt?

Dieser Mangel an Bereitschaft, wirklich von Herzen zu kommunizieren.

Darauf zu achten, was ein Mensch tatsächlich will, sucht, braucht – es kann doch nicht so schwer sein!

Einem Menschen auch weiterzuhelfen, wenn es nichts mit Amtshandeln und Zuständigkeit zu tun hat. Mehr als nur Dienst nach Vorschrift…

Das meine ich auch gar nicht nur auf Beamte gemünzt, denn das „Nicht meins-Syndrom“ erlebe ich auch in Tourismusbüros, in Supermärkten. Es ist immer und überall zugegen.

Wurschtigkeit, Faulheit, Angst? Was immer die Motive sind, positive können’s jedenfalls nicht sein.

Ich wünschte, Coaching für Beamte und Pädagogen würde als Pflichtfach eingeführt werden, und zwar solches Coaching, wie ich es – danke liebes Österreichisches Trainingszentrum für NLP – lernen durfte. Dann würden wir alle eine gemeinsame Sprache sprechen. Es würde gegenseitige Wertschätzung geben. Wir könnten uns alle mit Begeisterung für mehr konstruktives Miteinander einsetzen und für eine Förderung der vorhandenen Potenziale – und endlich, endlich Nägeln mit Köpfen machen….

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