Rock mal drei – Randnotizen

FREQUENCY NOVA VOLT

Rock-Randnotizen mal drei – ein Szenereport

August 2012

Für eine Frau in den sogenannten „besten Jahren“ habe ich ein etwas ungewöhnliches Hobby: den Besuch von Rock-Festivals. Leider fand ich in all den Jahren in meinem Umfeld – abgesehen von den jungen Leuten, die in Scharen zu Mega-Events wie Frequency und Nova Rock pilgern, keinen Menschen, der diesen „Wahn“ mitmacht. Wahnhaft ist es in der Tat, sich Staub, Lärm und Schlaflosigkeit hinzugeben und dafür auch noch Zeit, Energie und ein Ticket zu investieren.

Auch wenn’s manche wundert: In erster Linie interessieren mich die „Acts“, also die musikalischen Darbietungen, und in zweiter die Atmosphäre. Die Chance, neue Leute kennenzulernen – abgesehen von einigen flüchtigen Begegnungen – ist minimal. Die kulinarischen Genüsse sind als eher dürftig zu bezeichnen. Die Unterbringung ist standesgemäss ein mitgeschlepptes Zelt. Wer ein Weichei ist und im Auto schläft, geht gerade noch durch. Hardcore ist die Anreise mit den Öffis und mit Tramperrucksack, ganz besonders wenn man sich das Taxi fürs letzte Stück nicht leisten kann.

Allein, mit eigenem PKW, in den man sich zurückziehen kann, mit dem man jederzeit abhauen kann, in dem man schlafen kann – das ist fast schon „Cheaten“. Da gibt’s natürlich auch das privilegiertere Völkchen der Caravan-Camper, das ist auch ok.

Völlig indiskutabel aber wäre ein Hotelaufenthalt. Wer das macht, ist nicht wirklich dabei, ist ein Schummler, der nur vortäuscht, ein Rockfan zu sein. Abgesehen davon ist dies in den meisten Fällen wegen der Entfernungen ein Unding.

Ich will hier nur von einigen Eindrücken berichten, und zwar vom Frequency 2011 in St. Pölten, vom

Nova Rock 2012 bei Nickelsdorf, Burgenland, und vom VOLT in Sopron 2012.

Von solchen Mega-Events zu berichten, ist ungefähr so, als sollte man das Meer beschreiben. Es ist so viel zu sehen, zu erleben. Es sind riesengroße Partys mit einem vielfältigen Musik-Angebot, das hier auch nicht das Thema sein kann. Aber wen’s interessiert – Internet – Event – Lineup der Bands – Links zu den diversen Interpreten – und die Fotogalerien – offizielle Videodokumentationen – jede Menge privater Postings und Videos – aktuelle Berichterstattung – alles in den buntesten Farben ersichtlich. Überschäumende Lebensfreude, ansteckende Fröhlichkeit. Weniger gern gezeigt wird die Kehrseite der Medaille: tägliche Mühsal, die zerknitterten Gesichter nach dem Aufstehen, Alkohol-Exzesse, Unrat & mangelnde Hygiene – doch auch dies sind offene Geheimnisse. Über hunderttausend Besucher bei Frequency und „Nova“ – klar, dass es sehr viele Menschen aus erster Quelle erfahren, wie sich’s bei diesen Events anfühlt, wie’s dort zugeht und wie’s dort riecht… Legendär auch die Wetter-Geschichten. Auch da kann ich gut mitreden, alles voll live erlebt – Hitze, Kälte, Gewitter, Sandsturm,…

Da ich die meiste Zeit unfreiwillig allein verbringe, sind meine Rezeptoren intensiv auf Beobachten und Sammeln von Eindrücken geschaltet. Herumhängen am Zeltplatz mit Spass und Spiel ist für mich eine Ausnahme, die sich irgendwann unter glücklichen zufälligen Umständen ergibt.

Nein, meist gehe ich. Schon am ersten Tag gehe ich – so weit ich es physisch bewältige – das Areal ab, erforsche jeden Winkel, präge mir die Lokale ein, halte Ausschau nach Originellem, Kreativen und freue mich wie ein Kind, wenn ich etwas Spannendes, Lustiges, Fotogenes entdecke. Ja, ich fotografiere diese Szene auch gern und viel.

Allmählich entdeckte ich in der Art und Weise, wie ich mich mit der Festival-Szene befasse, Parallelen zum Restaurant-Testen.

 

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