russland 2011

dezember 2011

ein brief aus russland und meine antwort (auszugsweise & datengeschützte fassung)

Liebe Lygia!

Vielen Dank für dein Brief. Ich warte immer auf ihn. Manchmal kann man in riesengroßer Stadt leben und langweilen,obwohl viel zu tun hast. Vielleicht ist es die Sühne für unsere unrichtiges,hochnäsiges Leben. Wenn du jung und gesund bist,rennst du ständig,rennst und rennst. Immer bewunderst auf sich selbst und die Genugtuung bekommst. Welches Auto kaufst,welcher Länder besuchst, welches Landhaus bautest oder kaufst usw. Ich kann mich nicht beschwehren. Ich war Glückspilz. Das Leben scheint dich ewig zu sein. Nach 40 bemerkst du das du sterblich bist. Wie wenig sind die Wege durchgegangen worden,wie viele Fehler gemacht. Zuerst gibt es noch die Verantwortlichkeit für die Kinder. Das gibt die Kräfte.Die Kinder werden Ewachsene, haben eigene Familie. Was dann? Die Leerheit. Wer erinnert sich über deine Hocheit. Die Leute erinnern sich über gute Taten und niemandem beneiden. So wie ich jetzt niemandem beneide,keinem Businesmann,keinem Millionär. Ich werde immer im Gedächtnis behalten wer zu mir gutmutig war und uberhaupt gutmutig war. Wenn alles von Anfang an beginnen könnte,würdest du so und so anders machen: anders leben,anders den Kinder erziehen, anders sich zu den Leuten beziehen. Jetzt hast du Erfahrung,aber die Kinder wollen nicht hören. Sie glauben, dass sie im alles besser auskennen. Jetzt kann ich auch nicht klagen.Nicht so ist wie gewünscht,aber nicht schlechter als viele Andere. Ich bin mit meinem Sohn zufrieden. Er ist 26 Jahre alt, noch ledig,Nichtraucher,Nichttrinker. Er kann allein in Moskau leben,aber ich will nicht. Soll irgendwelche leibliche Seele in der Nähe sein. Ich habe in Vladivostok zwei Schwester,meine Mutter und andere Verwandten. Aber das ist ganz andere Sache. Jetzt,als die Alter und die Krankheiten herankommen,bereuen wir von unseres unregelmäsiges Leben,Rauchen,Saufen,falsche Nahrung und andere Sünde. Jetzt hasse ich meine damalige Glorie und freue mich,dass neuer Tag begonnen hat,den schönen Fluss,Wald usw. Allerwichtigste sind natürlich die menschlice Beziehungen.Warum schätzten wir damals das Leben und die Gesundheit nicht. Waren wir blind?  Trotzdem bin ich nicht depressiv.Keinesfalls. Ich bin sogar sehr optimistisch. Um nicht enttäuscht zu sein, möchte ich nicht voraussagen. Aber im Ganzen könnte ich mir meine Zukunft vorstellen. Aber das ist ganz andere Thema. Schreibe mir per E-mail: …….. Wir haben jetzt keine Weihnachten. Bei uns ist es den.7 Januar und sehr bescheiden ist. Dafür das Neues Jahr wird sehr pompös gefeiert. Ich hoffe dass bis zum Neuen Jahr werde ich dir noch schreiben. Und jetzt mache ich Schluss. Freue Weihnachten. Bis dann. N.

Anmerkung: Ich hoffe, die Umlaute können von dir als Umlaute gesehen werden, sonst lasse es mich bitte wissen…

Hallo lieber N.,

Danke für deinen nächtlichen Brief. Er ist sehr philosophisch und literarisch großartig! Wenn ich denke, dass du ihn nicht in deiner Muttersprache geschrieben hast, beeindruckt mich das noch mehr. Und wie viel Wahrheit und Lebenserfahrung spricht doch daraus. Ach über deine Weihnachtswünsche habe ich mich sehr gefreut!
Du hast das Älterwerden so richtig gut beschrieben. Man glaubt in jungen Jahren, es geht immer so weiter, immer noch mehr unternehmen.., alles eine einzige riesige Expansion.
Und dann erkennt man plötzlich, die Bäume wachsen nicht in den Himmel! Viele Träume gehen nicht in Erfüllung, und die Zeit wird knapp…
Weihnachten ist bei uns auch eine sehr kommerzielle Sache geworden. Überall Weihnachtsmänner und Reklame.
Es hat mit dem ursprünglichen Sinn nichts mehr zu tun. Es gibt aber Menschen, die den Sinn kennen. Sie feiern in aller Stille.
Neujahr ist auch „zu viel“. Jede Menge Feuerwerks-Raketen werden mit viel Lärm in die Luft gejagt. Die Sylvester-Knallerei peinigt die Tiere, quält kranke und ruhebedürftige Menschen.
Jahrzehntelang habe ich mich mit Psychologie, Philosophie, Religionen, Mystik, Esoterik,… befasst. Ich bin froh, eine Orientierung gefunden zu haben und weiß auch, wie ich wieder Energie gewinnen kann.
Das Jahr 2011 war für mich und meine Familie extrem schwierig, um nicht zu sagen ein Desaster. Wir haben es aber immerhin irgendwie geschafft. Es war härtestes Training, trotz allen Widerwärtigkeiten in Balance zu bleiben.

Liebe Grüße und melde dich bald wieder…
Deine österreichische Brieffreundin

Lygia

im november des fatalen jahres 2011

Am 17.11.2011 12:07, schrieb Lygia Simetzberger:
Liebe …

ein eher schwaches Lebenszeichen von mir…
es geht mal gut, mal weniger gut, mal wieder gut…
aber wie geht es dir?
Ich habe so wenig Nachrichten aus der Heimat.
Bin immer noch im Rückstand.Nach den Rodungsarbeiten Weinlese und Baustelle.
Bei mir fürs Kreative ein Katastrophenjahr und finanziell die übliche Tristesse.
Die geistigen Freundschaften mir immer mehr lieben Menschen rundherum geben Kraft und Hoffnung.
Ein paar schöne kurze Reisen geben etwas zu zehren.

Hast du vielleicht einen Beitrag fürs Gailtalnetz, möchtest du einen besinnlichen Text in der Vorweihnacht verbreiten?
Er käme als „Spruch des Monats Dezember“ online bzw. permanent auf deine Seite.

Liebe Grüße
Lygia

Bild anbei: Margit mit drei von ihren Lamas bei unserer Wanderung durch Neusiedl bei Güssing (gestern)

Schön, Lygia, dass du dich wieder gemeldet hast,
Vielleicht tut dir eine Kreativpause einmal gut, da hast du mehr Zeit für dich.
Sehe darin nicht eine Katastrophe, sondern eine Chance, um zu dir selbst zu kommen. Alles im Leben hat einen tieferen Sinn. Dein anscheinendes Geldproblem ist ebenfalls eine Chance, damit besser umgehen zu können. Erfreue dich einfach an dem was du hast, und sei dankbar.
Wegen einem Weihnachtsgedicht muß ich erst nachschauen, weißt du, die zum Großteil jetzt gelebten Weihnachten haben wenig mit dem Fest der Liebe zu tun, es ist nur ein Geschäft für den Handel.
Für mich ist Weih-Nacht Zeit der Stille und Besinnung auf das Wesentliche im Leben.
Ich habe alles, was ich zum Leben brauche und bin deshalb dankbar und zufrieden.

Ich umarme dich in Liebe und wünsche dir vom Herzen ein zufriedenes Herz.

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