Kinderspielplätze für Senioren- ja oder nein?

Also, ich weiß nicht… Als ich von einem neuen „Kinderspielplatz“ für Senioren in einem Ort in Oberkärnten erfuhr (ORF-Video Pfingsten 2016), wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
 
Nichts gegen Sport, Fitness-Training, Balance-Übungen und Geselligkeit – aber es kranpfte sich etwas in mir zusammen….

Kinderspielplätze für Senioren- ja oder nein?

Ein paar Notizen.

Schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, denn bisher kam man mit Wandern, Segeln, Gärtnern, Tanzen und vielerlei anderen Beschäftigungen aus – und nun braucht man für ein Heer ausgedienter Menschen Unterhaltung und (Beschäftigungs-)Therapie.

Sie halfen im Haushalt mit, erzählten den Kindern Geschichten.

Sie betätigten sich kunsthandwerklich und waren gesellschaftlich aktiv.

Kunstschaffende, Politiker, Gewerbetreibende – dank ihres Erfahrungsschatzes sind sie oft in hohem Alter noch in voller Schaffensblüte.

Und jetzt: ein Spielghetto für Kinder, ein Spielghetto für Senioren und wer weiß, was da wohlmeinend noch alles daherkommt.

Ich sehe da auch eine Tendenz, diese Isolation und Verdummung voranschreiten zu lassen. Mir krampft sich das Herz zusammen, wenn ich so eine Schar alte Leutln (uh, das darf man ja nimmer sagen!) im Rudel herumturnen sehe. Ein Anblick, an den ich mich gewöhnen muß? Pfui, neue Welt!

Ich möchte mich nicht so erleben, ich fände es schrecklich, wenn meine Eltern auf einem solchenSpielplatz herumwackeln würden. Ich finde, es hat etwas mit Würde zu tun, die hier auffällig verloren geht.

Na klar, ist nur Spass, ist gesund… klar gibt es diese Einwände. Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir um etwas auf anderer Ebene. Wir erklär‘ ich’s bloss?

Offenbar handelt es sich um eine Idee, die von irgendwo kommt und nun auch bei uns aufgegriffen wird, wie die Millionenshow, Dancing Stars, die Baumwipfelwanderwege, dei Hochseilgärten, Baumlehrpfade und Erlebnisparks. Und man meitn es gut mit den Alten, ups, den Senioren. Den Senioren? Alle in einem Topf? Wäre ein Thema für sich. Also gut.
Jedenfalls, unter Gemeindepolitik stelle ich mir etwas Anderes vor, schlicht und einfach nachhaltige kommunale Gegenmaßnahmen, sollte man es „Enttodelung“ nennen?
Dafür ist es bei den jetzigen älteren Menschen leider vielfach zu spät. Von Kindheit auf zur Anpassung und zum braven Arbeitsmenschen erzogen, vollenden sie ihr unauffälliges Leben, bis sie schließlich ganz verschwinden. So ist es erwünscht. Sonst stünde unsere Gesellschaft anders da. Nur wenigen gelingt es, sich geistige Wachheit zu erhalten. Wo ist die „Altersweisheit“ geblieben?
Es beginnt von der Wiege auf mit mangelnder Wertschätzung und Förderung und endet nach Familiengründung und Beruf mit gesellschaftlichem Abstellgleis.

Nur eine kleine Schar schafft es, meist unbedankt – ich kenne genügend Beispiele – noch weit über Sechzig etwas für sich und die Gesellschaft zu leisten.

Es gibt bei diesem verfahrenen Karren kein Patentrezept. Zunächst müsste es einen Bewusstseinswandel geben.

Nur: Turnplätze für alte Leute, das ist kein Rezept, sondern etwas Trauriges, um nicht zu sagen Beschämendes.

Zeit zum Aufwachen!

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